07.11.2008

Keine kleinen Brötchen backen

Arbeitsergebnisse, die sich sehen lassen können. Lippequalität und Netzwerk Lippe arbeiten bei der Berufsorientierung Jugendlicher eng zusammen.

Lippequalität und Netzwerk kooperieren bei Berufsorientierung

Detmold-Heiligenkirchen. Es ist wohl eine der schwierigsten Entscheidungen im Leben eines jungen Menschen: die Berufswahl. Der Verein „Lippequalität“ will ihnen dabei helfen. Zusammen mit der Beschäftigungsförderungsgesellschaft „Netzwerk Lippe“ bieten Lippequalität-Betriebe „Schnuppertage“ für Hauptschüler an. Zwölf Mädchen und Jungen nutzten jetzt die Gelegenheit, in der Bäckerei Biere zu erproben, ob der Duft frischer Brötchen ihr berufliches Ziel werden könnte.


Die erste große Hürde im Bäckeralltag mussten die Schüler der Hauptschulen Augustdorf, Heidenoldendorf und Schlangen jedoch noch nicht meistern. Das frühe Aufstehen blieb ihnen erspart, ab 9 Uhr standen sie dann in der Backstube. Dabei schauten sie den Bäckern nicht einfach über die Schulter. Vielmehr hieß es: Schürze umbinden, Haube auf und selber Brötchen backen. Bäckermeister Mickel Biere und sein Team zeigten den 15 bis 17jährigen wie’s geht. Sein Fazit nach dem ersten Arbeitseinsatz: „Kleine Brötchen brauchen die Jugendlichen nicht zu backen.“

Zweite Aufgabe an diesem „Schnuppertag“ bei Lippequalität: Kekse backen. Und dann der vorweihnachtliche Abschluss: Die Schüler stellten einen Honigkuchenteig her, rollten ihn aus und schnitten ihn in größere Stücke. Mit Hilfe von Eiweiß und Zucker entstanden aus braunen Honigkuchenplatten kleine Hexenhäuschen. Frisch dekoriert sahen sie zum Anbeißen aus. Klar, dass die jungen Bäcker auf Probe ihre Produkte anschließend mit nach Hause nehmen konnten.

Zur Praxis gesellte sich auch die Theorie. Biere verdeutlichte Vor- und Nachteile des Bäckerberufes. In die zweite Kategorie gehören dabei fraglos die Arbeitszeiten, die bei den Jugendlichen wenig Begeisterung hervorriefen. Auf der Habenseite verbuchte er dagegen die kreativen Möglichkeiten, die den Fachkräften in der Backstube offenstehen. Und den Mädchen, die auch nicht ganz so früh aufstehen wollten, empfahl er den Beruf der Bäckereifachverkäuferin.

Mickel Biere, stellvertretender Vorsitzender von Lippequalität, stellte außerdem den Verein vor und erläuterte, warum Lippequalität-Betriebe sich an der Aktion des Netzwerkes beteiligen. Ziel des Vereins sei es, Produkte aus Lippe für Lippe und in Lippe zu vermarkten. Das nütze dem Verbraucher, der wisse, woher seine Brötchen, seine Milch, seine Fruchtsäfte oder Kartoffeln kommen. Und es nutze der Region, weil die Wirtschaftskraft in Lippe gehalten werde. „Aber das funktioniert nur, wenn wir auch gut ausgebildeten Nachwuchs bekommen. Deshalb unterstützt Lippequalität die Schnuppertage des Netzwerks.“ Als nächster Betrieb wird die Lippequalität-Bäckerei Meffert in Lemgo für Jugendliche aus dem lippischen Norden ihre Pforten öffnen.

Und die Jugendlichen selbst? Die fanden den Vormittag in der Backstube richtig gut. Die Möglichkeit, einen Beruf praktisch auszuprobieren und eigene Produkte wirklich zu erzeugen, fand viel Anklang. Auf die ersten Bewerbungen aus der Gruppe wartet Mickel Biere aber noch.